Zeitreise Blog 03 / Wallsee-Sindelburg – Ein Beitrag über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Schlossherrschaft Wallsee 1862-1895

Zeitreise Wallsee-Sindelburg

Ein Beitrag über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Schlossherrschaft Wallsee 1862-1895
(von Harald Lehenbauer)

In dieser Folge der Zeitreise Serie beleuchten wir den Zeitraum von 1862 bis 1895, um die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Kompetenzverlagerung der Inhaber näher zu betrachten.
Die Herrschaft Nieder-Wallsee war zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Familie Sachsen-Coburg-Gotha, welche sie 1862 erworben hatte.
1 Aus dieser Zeit befindet sich eine Reihe von Archivalien im Schlossarchiv Greinburg, welche uns einen interessanten Einblick in die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse gewähren. Das Schloss wurde damals nicht als Wohnstätte genutzt, viel mehr hatte es die Familie Sachsen-Coburg-Gotha auf wirtschaftliche Interessen vor Ort abgesehen. Dies geht schon aus einer Niederschrift gut zwei Monate nach dem Kauf der Herrschaft hervor. Am 15. Dezember 1862 verfügte der Herzog zu ermitteln „…welchen Aufwand die Unterhaltung dieser Gärtnerei und das dabei befindliche Gewächshaus jährlich bisher verursacht hat ? ‟ Bereits am 27. Dezember legte der Förster Anton Tursch2 das geforderte Verzeichnis vor, und man kam zum Schluss, dass der Aufwand zum Betrieb einer Gärtnerei zu kostspielig sei, und von einer „…Unterhaltung einer Gärtnerei in Wallsee abzusehen ist…‟ 3 Der Förster Tursch wurde zur Reinhaltung des „…kleinen Blumengartens im Schloßhofe, (sic!) sowie [des] Gemüse- und Küchengartens‟ verpflichtet‟. Mit dem Abbruch des Glashauses im Schlossgarten wurde zugewartet.4 Im März 1863 nutzte der bisherige Gärtner Thomas Prucha einen Sturz während der Arbeit im Glashaus, um die Herrschaft Nieder-Wallsee zu verlassen. Er teilte mit, dass er die „…notwendige Verpflegung…‟ bei seiner Tochter in Viehhofen (bei St. Pölten) suche. Er nutzte den Sturz und die damit verbundene notwendige Rehabilitation aber auch gleich um seinen (vorläufigen) Abschied5 aus Wallsee bekannt zu geben. Im gleichen Brief an die Gutsverwaltung schreibt er nämlich : „In den Lokalitäten der gutsherrlichen Gärtnerwohnung welche ich nun bei dem angedeuteten Umstande verlassen muß …‟ befänden sich einige ihm gehörige Dinge, welche er gerne abgelöst haben wolle.6 Die Herrschaft löste ihm weder die Gegenstände ab, noch bezahlte diese einen angeblich ausstehenden „Taglohn‟ für seine Schwester, da die geleistete Arbeit, laut Meinung des Herrschaftsbeamten nicht notwendig gewesen wäre. Ein weiterer Umstand zeigt, dass die Herrschaftsverwaltung maximalen Profit herausholen wollte. So sollten alle nicht gebrauchten Gebäude verkauft werden, so auch das Salzhaus obwohl vermietet.7 Herzog Ernst veranstaltete jährliche Treibjagden in der Mühlau und investierte Unsummen in die Fasanenzucht auf den Donauinseln „Grünau‟, „Hollerau‟ und der „Mühlau‟. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass zu dieser Zeit ein Steindamm an der Insel „Haynau‟ angelegt wurde, um das Donaubett zu regulieren und andererseits das Abschwemmen von guten Wirtschaftsgrund von der „Grünau‟ zu verhindern.8 In Anbetracht der angeführten Umstände, welche durchaus noch erweitert werden könnten, erscheint auch das Aussehen, des Schlossturmes von 1864 bis 1896 in einem anderen Licht. Zwei Jahre nach Erwerb der Herrschaft Nieder-Wallsee, im Jahre 1864, stürzte der bisherige kuppelförmige mit Schindeln gedeckte Turmhelm ein, und wurde abgetragen.9 Anstatt eine Erneuerung zu veranlassen, wurde wohl aus Kostengründen ein provisorisches Flachdach errichtet, dessen zinnenförmiger Abschluss, dem Schloss ein mittelalterlich anmutendes Äußeres verlieh. Auch im Allgemeinen hatte das Schloss in den letzten Jahrzehnten vor dem Erwerb durch Erzherzog Franz Salvator und seiner Frau Erzherzogin Marie Valerie an Substanz verloren. Die notwendige Renovierung, in welcher auch der heutige Turmhelm errichtet wurde, rettete das Schloss vor dem drohenden Verfall.10

1 Adalbert Queiser, Wallsee a. d. Donau. Geschichtliche Darstellung von Schloß und Herrschaft Wallsee (Amstetten 1902), 99.
2 Anton Tursch starb 1897 durch ein Unglück während eines starken Sturmes (vgl. Queiser, Wallsee, 98.)
3 Archiv Greinburg, Acten d. Herzogl. S.C.G. Oberdirection in Greinburg, Faszikel I/4 Schloßgarten (sic!) 1862-1895
4 Archiv Greinburg, Acten d. Herzogl. S.C.G. Oberdirection in Greinburg, Faszikel I/4 Schloßgarten 1862-1895
5 Thomas Prucha kehrte nach Wallsee zurück und starb am 7. Jänner 1864, an einer Gehirnlähmung, wahrscheinlich als eine Folge des Sturzes. vgl. Sterbebuch Sindelburg 1842-1871 fol. 145 (Diözesanarchiv St. Pölten Signatur 03-10)
6 Archiv Greinburg, Acten d. Herzogl. S.C.G. Oberdirection in Greinburg, Faszikel I/4 Schloßgarten 1862-1895
7 Adalbert Queiser, Wallsee a. d. Donau. Geschichtliche Darstellung von Schloß und Herrschaft Wallsee (Amstetten 1902), 101.
8 Adalbert Queiser, Wallsee a. d. Donau. Geschichtliche Darstellung von Schloß und Herrschaft Wallsee (Amstetten 1902), 103.
9 Adalbert Queiser, Wallsee a. d. Donau. Geschichtliche Darstellung von Schloß und Herrschaft Wallsee (Amstetten 1902), 101.
10 Franz Salvator Habsburg-Lothringen, Die Geschichte der Burg Wallsee (maschinengeschriebenes Manuskript)

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